Die Generation wechselt – das Motto bleibt

Ulrich Meyer zu Bexten

Herford ist nicht der Nabel der Welt, doch alle zwei Jahre, wenn die Familie Meyer zu Bexten zu den „German Friedenships“ einlädt, ist die Reiterjugend der Welt in der beschaulichen 65.000-Einwohnerstadt an der Werre zu Gast. 2015 wird das Freundschaftsturnier des internationalen Reitsports schon zum neunten Male ausgetragen. „Wir haben uns ständig nach vorn entwickelt. Mittlerweile waren Sportler aus über 60 Ländern der Welt bei uns,“ freut sich Juniorchef Lars Meyer zu Bexten über die positive Ausrichtung. „Friendships- not championships“ lautet auch diesmal das Leitmotiv. Für sechs Tage wird über dem schmucken westfälischen Meyerhof der Bextens ein Hauch  olympischen Geistes einziehen. Der Sport gerät als Mittel zum verbindenden Zweck. „Über allem steht der Freundschaftsgedanke,“ verdeutlicht Lars Meyer zu Bexten. „Das war immer so und wird auch so bleiben.“

Vor zwei Jahren, 2013 hat der ehemalige Junioren-Europameister der Springreiter, der auch viele Jahre als Bundestrainer für den deutschen Nachwuchsbereich verantwortlich gezeichnet hat, die Turnierleitung von Vater Ulrich, einem 27-maligen Nationenpreisreiter, offiziell  übernommen. Dass der Herr Papa allerdings immer noch mithilft und mit Rat und Tat zur Seite steht, ist Ehrensache.  Dieser Job bereitet dem 42-Jährigen viel Spaß und Freude. „Der schönste Tag ist für mich immer der, wenn die Teams zusammengestellt werden und unser Mann für alle Fälle, Pedro Cebulka,  für jede Mannschaft ein paar launige Sprüche auf Lager hat“, berichtet Lars. Der Deutsch-Kanadier aus der Lüneburger Heide, der  heute in der Nähe von Calgary zu Hause ist und stets in bunter Phantasiekleidung schwadroniert, ist der „Gute-Laune-Bär“ der Veranstaltung. Pedro hat alles im Griff.

Seit 1999 werden die German Friendships auf dem Bexter Hof im Herforder Stadtteil Diebrock ausgetragen. Die Idee brachte weiland der international bekannte Parcourschef Frank Rothenberger von einer Südamerikareise mit nach Ostwestfalen. Aufgrund fehlender Infrastruktur im Straßenbau ist es jenseits des Atlantiks gang und gäbe, dass Reitturniere für den Nachwuchs nicht auf eigenen sondern auf geliehenen Rössern ausgeritten werden. „Pferde von A nach B zu transportieren, ist in vielen lateinamerikanischen Ländern unmöglich, darum reisen dort nur die Reiter. Sie beweisen auf Leihpferden ihr Turnierkönnen. Das ist sportlich interessant und schafft jede Menge Sympathie der Akteure untereinander“, versuchte Rothenberger sein Mitbringsel aus Übersee schmackhaft zu machen.

Das Vorhaben gelang. Es war die Geburtsstunde der German Friendships, aus der heraus schlussendlich der Freundschaftsgedanke geboren wurde. Eine Idee, die heutzutage aus der Welt des internationalen Turniersports nicht mehr wegzudenken ist. Kids sind begeistert, und viele Freundschaften , die in Herford während der Turniertage geknüpft werden, halten noch heute. Länderübergreifend.

Gestartet wird in zwei Gruppen. Die 12 bis 14-Jährigen bilden die sogenannte „Children Klasse“, 15 - 18-Jährige starten bei den „Juniors“. Ein Team besteht jeweils aus einem Deutschen und einem Partner aus dem Ausland. Dabei ist der Grundgedanke, dass der jeweilige heimische Partner ein Pferd für den Gast aus dem Ausland zur Verfügung stellt. Außerdem bietet er Gastrecht für den Teamkameraden. Das gilt zwar auch noch heute, doch inzwischen bringen viele Gäste eigene Pferde mit.

Was Ende des vergangenen Jahrtausends in kleinem Rahmen begann, hat sich längst zu einem turniersportlichen Knaller für den Nachwuchs entwickelt. „Peu a peu haben wir die sportliche Infrastruktur vorangetrieben,  und die Expo rund um das Turnier wird ebenfalls sehr gut angenommen“, sieht Lars Meyer zu Bexten das Turnier auf dem besten Wege in die Zukunft.

Der Turnierleiter ist ein weit gereister Mann. Viele Länder der Welt hat der ehemalige Bundestrainer mittlerweile unter anderem auch als Tutor des Reiter-Weltverbandes FEI kennengelernt. Er gibt Lehrgänge und .leistet Entwicklungshilfe in Sachen Springsport.  Dabei bereitet es ihm immer wieder die größte Freude, wenn er Leute trifft, die schon in Herford zu Gast waren und von den Freundschaften erzählen, die im tiefen Osten Westfalens geknüpft wurden und weltweit halten. So soll es auch 2015 sein.


27.07.2015