Die Geschichte des Bexter Hofes

Ob wohl Conradus de Bekeseten sich hätte vorstellen können, dass auf seinem Hof einst ein internationales Springturnier stattfinden wird, als er im Jahr 1219 den Boden seiner Ackerflur beschwerlich mit Pferd und Pflug aufbrach? Zu seiner Zeit gab es wohl nicht mal Karten, geschweige denn eine Vorstellung von den fernen Ländern, aus denen die Reiter heute anreisen.

Der Name des fränkischen Leibeigenen Conradus de Bekeseten ist der älteste überlieferte Name der Familie Meyer zu Bexten, den der Hobby-Ahnenforscher Dr. Jobst Heinrich Meyer zu Bexten in Jahren mühseliger Forschung in den staubigen Folianten des münsterschen Landesarchivs finden konnte. Alte Legenden aber glauben zu wissen, dass die Wurzeln der ostwestfälischen Familie weit tiefer im Sande Herfords stecken: Wehrhafte Vorfahren der Familie haben womöglich schon im achten Jahrhundert im Sold Karls des Großen den sächsischen Kriegsherren Widukind in Schach gehalten. Aber seit damals ist viel Wasser die Werre hinuntergeflossen – und so mancher Stein auf dem Hof von den fleißigen Händen der Familie versetzt worden.

In den zahlreichen Urkunden und mittelalterlichen Dokumenten, die von der wechselhaften Vergangenheit des Hofes berichten, tauchen verschiedene Schreibweisen des Namens auf. Man liest dort von Bykeseten, Bekeseten und ähnlichem. Der Name „zu Bexten“ stammt jedenfalls von diesen altdeutschen Schreibweisen, die soviel heißen wie: Die am Bach...

Ansässigen. So bedeutet „Beke“ übersetzt „Bach“ und „seten“ wurde zu „sitzen“. Ein Bach ist jedoch nicht unmittelbar am heutigen Hofgelände zu finden. Stand der Hof etwa nicht immer an der heutigen Stelle? Die „Kinsbeke“ fließt einige hundert Meter entfernt – ein mögliches Indiz, dass er einst an anderer Stelle zu finden war.

Der Name „Meyer zu“ indes ist eine Amtsbezeichnung. Auf Meyerhöfen lebten dem Lehnsherren loyale, privilegierte Bauern. Sie trieben den Zehnt – den zehnten Teil des Ernteertrags als Steuer – für diesen ein. Im Fall des Hofes Meyer zu Bexten überliefern Legenden einen weiteren, deutlich älteren Namenszusatz des Frühmittelalters: „Sattelmayer“. Sattelmayer waren besondere Getreue des Lehns- oder Landesherren. Sie hielten stets gesattelte Pferde für diesen bereit. Wenn er auf seinen Reisen das Land durchquerte, konnte er die verschwitzten Pferde dort austauschen und ohne Rast weiterreisen. Im Ernstfall folgten diese Bauern ihrem Herren in den Kampf.

Der Hof wurde im feudalen Gefüge des späteren Hochmittelalters ständig hin und hergekungelt. Jahrzehntelang entrichteten die Meyer zu Bexten ihren Zehnt an die Grafen von Ravensberg, die hoch über der Stadt Bielefeld auf der Sparrenburg lebten. „Für sein Seelenheil“, wie eine Urkunde besagt, übertrug Graf Otto von Ravensberg im Jahr 1316 den Hof an das Kloster Schildesche. Der Graf wollte sich damit wohl dem Fegefeuer verwahren.

Aus der Zeit Napoleons gibt es Schriftzeugnisse, denen man die Größe des Hofes Anfang des 19. Jahrhunderts entnehmen kann. Napoleon setzte, nachdem er mit seinem Heer die preußischen Truppen aus Westfalen vertrieben hatte, seinen Bruder Jerome als „König von Westphalen“ ein. Um sein neues Königreich zu finanzieren, siedelte er im ganzen Land Steuereintreiber an. Eine der Steuerlisten von damals beziffert das Land der Meyer zu Bexten auf 156 Scheffelsaat „sädiges Feldland“, das entspricht etwa 27 Hektar. Immerhin 108 Morgen die es zu pflügen galt. Außerdem noch 50 Scheffelsaat „Heuwachs“ und 12 Scheffelsaat „Gehöltze“. Nach Napoleons politischem und militärischem Ende errichteten die Preußen auf den Trümmern des französischen „Königreichs Westphalen“ die preußische „Provinz Westphalen“. Aus dieser Epoche stammt das älteste Bauwerk. 1826 erbaut, ist es bis heute das größte Gebäude des Anwesens.

So durchlebte die Familie Meyer zu Bexten, und damit selbstverständlich auch deren Hof, die Jahrhunderte, in stetigem Wandel bis hin zu seinem heutigen Erscheinungsbild.
Ulrich Meyer zu Bexten, dessen Engagement das heutige Erscheinungsbild des Hofes maßgeblich zu verdanken ist, hat sein Möglichstes getan und schaut nun zuversichtlich in die Zukunft. „Der Hof hat sich stattlich entwickelt. Bald wird das Geschick in Lars’ Händen liegen, mal schauen, was die Zukunft bringen wird.“


28.03.2015