Ein Name - viele Hüte

Dieser Hut! Das sagen sie alle, die Pedro zum ersten Mal sehen. In Herford sind das allerdings nicht viele, denn er ist seit den ersten German Friendships 1999 jedes Mal dabei. Die Freundschaft zu Hausherr „Ulli“ begann schon 1977 in Kanada, wo Meyer zu Bexten in Spruce Meadows am Start war.

Selten genug, dass ein Mann weltweit an einem modischen Accessoire erkannt wird. Aber Pedros Hüte sind wirklich unvergesslich. Zylinder in allen denkbaren Farben und Verzierungen, nicht selten schrill wie der „Hühnerhut“ von den German Friendships 2007 und manchmal Teil eines Themen-bezogenen Outfits wie etwa in Leipzig beim Vierfach-Weltcup 2011. Da trug er Perücke statt Hut und sah aus wie Johann Sebastian Bach.

Was soll ich anziehen? Das wird reiflich überlegt und jeden Tag neu und immer wieder anders entschieden. „Je nach Laune nehme ich immer genug Kleidung und Hüte mit auf Tournee“, verrät der Mann, den jeder Turniergänger kennt. Kleines Gepäck, das ist nichts für Pedro. Und eine kleine Rolle wie „Steward“ auch nicht. Pedro hat ein Berufsbild für sich kreiert und einen eigenen Namen dafür gefunden. Er ist „Ringmaster“, und wer ihn einmal im Einsatz erlebt, der weiß, was das ist: Er bringt Reiter pünktlich dorthin, wo sie laut Starterliste und Einsatzplan der Fernsehstation zu sein haben, er überbrückt...

Sendepausen – geplante und ungeplante. Ein mit allen Wassern gewaschener Entertainer, der seine Leute in sieben Sprachen ansprechen und ihnen zur Not auch die Flötentöne beibringen kann. Dieses Instrument spielt er nämlich sehr gut und hat damit schon manche Reiterparty belebt.   

Dabei ist er alles andere als ein Clown. Hinter dem Kostüm des Tages lebt ein Fachmann des Pferdesports, geboren in Lüneburg, mitten im Hannoveraner-Land. Er hat in Spruce Meadows angefangen als Parcoursbauer, bis sein Entertainer-Talent dort für wichtiger erachtet wurde. Er ist als Technischer Delegierter im Einsatz, beherrscht das Regelwerk rauf und runter. Die Reiter auf den Turnierplätzen dieser Welt lieben ihn und lassen sich von ihm dirigieren – ganz ohne Widerspruch. Kein Wunder, denn mit unvergleichlicher Coolness behält er die Nerven auch bei unvorhergesehenen Ereignissen, und solche Regisseure braucht der Sport im Zeitalter des Fernsehens.

Ein schräger Vogel ist er trotzdem, der auch schon mal für einen guten Zweck in 18 Stunden 201 Löcher Golf hintereinander gespielt hat. Sein zweites Zuhause sind aber nicht die Golf-, sondern die Turnierplätze dieser Welt. Seit Atlanta ist er bei allen Olympischen Reiterspielen am Einlass, zuletzt in London. Global Champions Tour, Pan American Games, National Horse Show in Kentucky/USA, Gucci Masters in Paris... „Nur ein paar Gastspiele pro Jahr, aber immer beste Qualität“, ist seine Leitlinie.

Vor über 30 Jahren ist er in Kanada sesshaft geworden nach Lehr- und Wanderjahren durch die ganze Welt. Dort haben sie den Deutschen dann auch irgendwo Pedro genannt. So nennt er sich seitdem. Ein Steward mit einem Künstlernamen – zu d i e s e n Hüten ein Muss!


13.03.2015