Usbekisch müsste man können

Spricht hier jemand Usbekisch? Ein babylonisches Sprachwirr herrschte am Dienstag bei der Eröffnung der Sparkassen German Friendships in Herford, wo 98 Kinder und Jugendliche aus 30 Ländern der Welt jetzt eine Woche lang gemeinsam reiten unter dem Motto „Friendships, not Championships“.

Usbekistan ist zum ersten Mal vertreten bei diesem internationalen Springturnier, und Okilkon Sobirjonov hat es ganz besonders schwer. Er versteht nämlich kein Wort. Der jüngere Azizov Temur (13) kann wenigstens etwas Englisch und vermittelt. Am Ende der Woche werden sie mehr wissen über Reiten und Leben in Deutschland.

Turnierleiter Lars Meyer zu Bexten begrüßte die Gäste, die sich auf ein ganz besonderes Turnier vorbereiten, wo deutsche Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren  mit zwei Pferden anreisen und einen gleichaltrigen Reiter aus dem Ausland beritten machen. „Wir werden Spaß haben, Partys feiern, neue Kulturen und viele neue Freunde kennenlernen und wenn es Probleme gibt, gemeinsam nach Lösungen suchen“, fasste er zusammen, was jetzt bis Sonntag auf dem Bexter Hof zu erwarten ist. „Das sind die Bausteine der Freundschafts-Idee.“

 

Es herrschte eine Atmosphäre wie beim ersten Schultag auf dem Bexterhof. „Oh, der ist ja gut“, freut sich Lilli Collee (12) aus Heilbronn, die jetzt mit Issam Haddad aus dem Libanon ein Team bildet. Der 14jährige ist kaum größer als sie, aber schon zum zweiten Mal in Herford, ist auch schon in Mexiko bei einer Kinder-Weltmeisterschaft geritten. „Aber trotzdem bin ich aufgeregt,“ gibt er zu. Das Gefühl teilen alle. Auch Jasmin Dennison aus Melbourne in Australien kennt das oder Alysha Nair aus Singapur. „Zu Hause habe ich mein Pferd Flash, aber hier weiß ich nicht, was mich erwartet,“ sagt sie, die Deutschland bisher nur als Tourist kurz kennengelernt hat.

 

Bekannte Sportler, darunter Weltmeisterschafts- und Olympiareiter und auch drei  der fünf deutschen Bundestrainer werden am Mittwoch im Top Ten Training den Reitern letzten Schliff geben, damit sie fit sind für das Turnier mit drei Springen in jeder Altersklasse auf dem Weg ins Finale am Sonntag. Bis dahin muss das Problem gelöst sein, das der Usbeke Okilkon jetzt noch hat. Er braucht nämlich zunächst erst einmal einen Reithelm. Sicherheit geht vor.

 

Vielschichtige Aufgaben für das große Team aus 120 Helfern, Pferdebesitzern, Gasteltern,  die hinter den German Friendships stehen: Die Reiter auf die ihnen unbekannten Pferde einstellen, ihnen Deutschland nahebringen und das Motto „Friendships, not Championships“ mit Leben füllen. Und bald vielleicht auch noch Usbekisch lernen…


29.07.2015